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Hochsommer II: Schwitzen kehrt zurück!

Lesen bildetWer wie ich schon lange mit Menschen zusammen lebt, kennt ihre Schwächen. Besonders auffällig war die letzte Nacht. Meine Annisekretärin hatte heute Morgen einen wichtigen Termin. Den wollte sie auf keinen Fall durch verschlafen verpassen.

Anstatt zeitig einzuschlafen lag sie im Bett und machte das Dümmste was sie nur machen konnte. Sie versuchte einzuschlafen. Das ging nicht. Irgendwann nach Stunden schlief sie endlich und wachte heute Morgen sehr mürrisch auf. (Nebenbei: Sie hat ihren Termin mit ach und krach halten können.)

Ich habe die Nacht genutzt und mir Gedanken über das Einschlafen, Wachbleiben, das Nichteinschlafen und das Nichtwachbleibenwollen gemacht. Fündig bin ich in meinem phänomenalen Gedächtnis geworden. Eine kleine Miniatur eines meiner Lieblingsschriftsteller, Mark Twain.

Tom Sawyer, Held der Geschichte versucht krampfhaft wach zu bleiben, um eine Verabredung mit Huckleberry Finn einhalten zu können.

Um halb zehn Uhr an jenem Abend wurden Tom und Sid wie gewöhnlich zu Bette geschickt. Sie sprachen ihr Gebet und Sid war bald eingeschlafen. Tom lag wach und wartete in rastloser Ungeduld. Als er schon meinte, es müsse beinahe Morgen sein, schlug die Uhr zehn – es war rein zum Verzweifeln.
Er würde sich im Bette herumgeworfen haben, unaufhörlich von einer Seite zur andern, wie es seine Nerven gebieterisch verlangten, hätte er nicht gefürchtet, Sid dadurch zu wecken. So lag er denn krampfhaft ruhig und starrte hinein in die Finsternis.
Allmählich begannen sich in der beinahe greifbaren Stille kleine, kaum zu unterscheidende Geräusche bemerkbar zu machen. Erst drängte sich ihm der Laut der tickenden Uhr auf. Alte Balken krachten geheimnisvoll. Die Treppe knisterte leise. Augenscheinlich waren die Geister munter. Ein taktmäßiges, gedämpftes Schnarchen klang aus Tante Pollys Zimmer. Und jetzt begann auch noch einer Grille ermüdendes Zirpen, das mit Genauigkeit zu lokalisieren kein menschlicher Scharfsinn je imstande ist. Dann machte das unheimliche Ticken einer Totenuhr in der Wand, am Kopfende des Bettes, Tom zusammenschaudern – bedeutete es doch, daß jemands Tage gezählt seien. Nun erhob sich das klagende Geheul eines Hundes in die Nachtluft, dem leiseres Gewinsel aus der Ferne antwortete.
Tom lag in reiner Todesangst da. Er war fest überzeugt, daß die Zeit aufgehört, die Ewigkeit begonnen habe. Trotz allem Bemühen, sich wach zu halten, begann er leise einzudämmern. Die Uhr schlug elf, er aber hörte es nicht mehr.
Auf einmal tönte mitten in seine noch gestaltlosen Träume hinein das langgezogene, schwermütige Miauen eines Katers. Das Öffnen eines benachbarten Fensters, der Ruf: »Verfluchtes Katzenpack!« und das Zersplittern einer gegen die Mauer geschleuderten leeren Flasche ließ ihn entsetzt und urplötzlich wach in die Höhe fahren.
Eine Sekunde später war er angezogen, zum Fenster hinaus und kroch auf allen Vieren auf dem Dache des Vorbaues entlang. Dabei miaute er ein- oder zweimal mit großer Vorsicht, sprang dann auf das Dach des Holzschuppens und von dort zu Boden. Huckleberry Finn mit seiner toten Katze erwartete ihn. Die Jungen entfernten sich und verschwanden im Dunkel. Eine halbe Stunde später wateten sie durch das hohe Gras des Friedhofs.

Hier gibt es die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn käuflich zu erwerben.

2 Antworten auf Vom Einschlafen, Schlafstörungen und toter Katze

  • Wachte mürrisch auf? Ist das nicht die Geschichte eines jeden Morgens? 😆

    • Nein, ganz und gar nicht. Heute ist Sonntag, ein Freudentag, ein Festtag ohne Fasten. Meine Annisekretärin ist sowas von mürrisch, weil sie nicht fasten durfte, sie hat den ganzen Tag herumgenörgelt.
      Morgen wird sie wieder freundlich und vergnügt sein.