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 Im Februar bereitet sich die Natur ganz langsam auf den Frühling vor

Alter Friedhof FreiburgEzekiel Emanuel, prominenter Bioethiker der University of Pennsylvania School of Medicine sowie Fellow des Hasting Center hatte im Vorfeld eines Referendums zur Legalisierung der ärztlichen Beihilfe zum Selbstmord im US-Bundesstaat Massachusetts in der New York Times die „Vier Mythen zur Legalisierung des ärztlich assistierten Suizid“ entzaubert.

1. Mythos: Schmerz

Patienten, so heißt es, würden den ärztlich assistierten Suizid wegen unerträglicher körperlicher Schmerzen fordern.
Das stimme so nicht: Studien zeigen, dass das Hauptmotiv nicht körperliche Schmerzen sind, sondern „psychische Belastungen“ wie Depression, Hoffnungslosigkeit und Angst vor dem Verlust von Autonomie.
Die Antwort auf Selbstmordgedanken, die mit Depressionen und Hoffnungslosigkeit verbunden sind, könne aber nicht sein, Menschen Mittel bereit zu stellen, um ihr Leben zu beenden, sondern ihnen Beratung und Betreuung anzubieten, so Emanuel.

2. Scheinargument: High-Tech-Medizin

Die Forderung nach Beihilfe zum Selbstmord sei eine unausweichliche Folge der Entwicklung der High-Tech-Medizin, wenn sie ein Leben unnötig und unwürdig verlängere.
Wie kommt es dann, fragt der Bioethiker, dass schon Griechen und Römer Euthanasie-Befürworter waren?
Nicht die Fortschritte der Hightech-Medizin seien hier treibende Kraft, sondern die Verherrlichung der persönlichen Entscheidung des Individuums.

3. Unwahrheit: Der Selbstmord steigert die Lebensqualität aller

Der ärztlich assistierte Suizid garantiere die Möglichkeit, für alle das Lebensende zu verbessern, wenn jedes Individuum einen qualvollen Tod vermeiden könne.
Tatsache sei aber, dass selbst dort, wo ärztlich assistierter Suizid legal ist, nur wenige Menschen darauf zurückgreifen.
Wer würde also von einer Legalisierung der Sterbehilfe „profitieren“?Eine kleine Elite Reicher, gut Gebildeter. Wer sind die Menschen, die am ehesten missbraucht werden, wenn assistierter Suizid legalisiert wird? fragt Emanuel: „Die armen, schlecht ausgebildeten, sterbenden Patienten, die eine Belastung für ihre Angehörigen darstellen“.
Schließlich stelle der ärztlich assistierte Suizid selbst im medizinischen Sinn keinen „guten Tod“ dar, schließt Emanuel seine Kritik. Laut einer niederländische Studie käme es immer wieder zu Komplikationen nach Einnahme des tödlichen Medikaments – das nicht wirkt, den Tod über Tage hinauszögert und in 18 Prozent der Fälle dazu führt, dass Ärzte direkt in die Tötung eingreifen müssen.

4. Lüge: Selbstmord ist ein guter Tod – besonders für die Angehörigen

Auch für Angehörige scheint der „sanfte, sichere und würdige Tod durch Einschlafen im eigenen Zuhause, umgeben von den engsten Angehörigen“ – so die Versprechen auf der Homepage des Schweizer Suizidbeihilfeverbandes Exit – alles andere als harmonisch.
Dies zeigt das Ergebnis einer jüngst im Fachjournal European Psychiatry publizierten Studie (2012: 27, 7, 542–546), in der 85 Familienmitglieder oder enge Freunde von Sterbewilligen befragt wurden, die vor 14 bis 24 Monaten einem assistierten Suizid durch Exit beigewohnt haben.
20 Prozent hatten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), bei zwei Dritteln der Befragten waren die Symptome voll ausgeprägt. 16 Prozent hatten eine Depression und 5 Prozent litten immer noch unter ähnlich starker Trauer wie in den ersten Monaten (eine sogenannte komplexe Trauerreaktion).

Quelle

Weitere Informationen zu allen Fragen der Bioethik gibt es hier:  Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik, IMABE