Mit der Bestie auf DU
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Christkinds little helper

St Michael, Haslach, außen huiDer Pfingstausflug ist ins Wasser gefallen. Der wärmste Balkon nördlich der Alpen ist aber ein prächtiger Ersatz für mühevolles Fotowandern.

„Was hältst Du davon, wenn wir einen kleinen Ausflug zum Kölner Dom machen?“, frage ich die Freiburgsekretärin. Sie ist einverstanden und so fliegen wir mit Google Earth zum Kölner Dom, schauen uns die Unmengen von Fotos an, besichtigen den Dom von innen und lesen natürlich Wissenswertes von der Homepage.

Ein kurzer Ausflug zum Dom in Münster, dann das Freiburger Münster. Eine Sightseeingtour der Extraklasse.

„Lass uns doch mal St. Michael angucken. Da bin ich zur ersten Heiligen Kommunion und zur Firmung gegangen.“ Von außen ist St. Michael eine schmucke Kirche. Innen hat der Bildersturm zugeschlagen. Mit brutaler Gewalt. Freiburgsekretärin erzählt von den gruseligen Malereien und was sonst noch an Kirchenverschandelungen stattgefunden hat. Einmal im Monat ist Freiburgsekretärin in Haslach, aber die Messe feiert sie nicht mehr in St. Michael, sondern wo anders.

„Wenn wir schon Deine Kirche besuchen, dann lass uns doch auch mal zu meiner fliegen“, sage ich, nach dem wir einige Zeit über St. Michael und die persönliche Vergangenheit geschwätzt haben.

Während wir mit Google Earth zu „meiner“ Kirche fliegen, schwärme ich aus der Vergangenheit. Sonntags um 7:00, 8:00 und 9:00 Heilige Messen und um 10:30 Hochamt. Die Messen waren gut besucht, das Hochamt überfüllt; nicht nur zu Weihnacht und Ostern oder am Weißen Sonntag.

Wir sind angekommen. „Hier bin ich vor genau 50 Jahren am Weißen Sonntag zur ersten Heiligen Kommunion gegangen.“ Eine Mischung aus Stolz und Freude erfüllt mich, als ich die Kirche von außen sehe. Schöne Erinnerungen kommen hervor.

Sicher, ich bin seit Jahrzehnten nicht mehr hier gewesen, wohne schon lange nicht mehr in meiner Geburtsstadt, aber die Kirche, meine Kirche, ist immer wieder ein Anker gewesen.

Der Pfarrer hat damals Religionsunterricht an der Volksschule erteilt. Katechismus. Das war so was von langweilig. Montags die Frage aller Fragen: „Warum bist Du nicht in der Kirche gewesen?“ Ich war immer in der Kirche, außer ich war krank.

Heute zehre ich von der harten „Religionsunterrichtskost“. Ich weiß endlich wieder, was katholisch ist und was Gott bedeutet. Damals … war ich froh, dass im Gymnasium ab 1970 anderes als Kirchengeschichte und Katechismus gelernt wurde. Das Theologiestudium hatte mir gezeigt, wie modern die Kirche geworden ist.

Bald schon war ich der modernen Kirche überdrüssig. Sie hatte nichts zu bieten und heute ist die moderne Kirche ein nichtssagender Allerweltsverein.

Schweigsam in Erinnerungen versunken habe ich zwischenzeitlich nach meiner Kirche gegoogelt. Erstaunt bin ich, als ich keine Homepage der Gemeinde finde. Dafür aber Zeitungsartikel und einen Wikieintrag aus dem zugehörigen Bistum.

2007 ist die Gemeinde, immerhin meine Kirche, aufgelöst worden und nur noch Filialkirche. Dann der Hammer. Jetzt ist mit den Abrissarbeiten begonnen worden, vermutlich sind sie schon abgeschlossen. Das Dekanat freut sich einen Käufer gefunden zu haben. Das Inventar ist für gottesdienstliche Zwecke erfolgreich verkauft worden. Der Gottesdienst findet schon seit Jahren in den benachbarten Pfarren, die zum Pfarrverbund gehören, statt.

„Wo ward ihr am Sonntag?“, höre ich im Geiste meinen alten Pfarrer. „Im Gottesdienst“, sagt eine Mitschülerin. „Falsch, sechs“. Nach mehreren Sechsen ein „in der Eucharistiefeier“, auch falsch. Die Antwort „Messe“ geht gerade noch durch, dann das erlösende „wir haben das Heilige Messopfer gefeiert“.

Ein Dekan schwadroniert vom Gottesdienst. Vermutlich in dem heute üblichen Sinn von „Gott dient uns“. Der Deal mit der Kirche, meiner Kirche, war erstklassig.

Den Begriff Abbruchkirche habe ich zum ersten Mal auf kreuz.net gelesen. Damals habe ich das Wort auf die rasante, fünfzigjährige Talfahrt der Kirche im Allgemeinen bezogen. Seit Pfingsten, dem Geburtstag der Kirche, hat Abbruchkirche für mich eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Sicher. Ich habe seit Jahren eine neue Heimat gefunden. Ich feiere jeden Sonntag, und, wenn es sich einrichten lässt auch werktags, das heilige Messopfer in St. Albert. Ich weiß auch, dass ich „meine Kirche“ nie wieder besucht hätte, weil sie Hunderte von Kilometern entfernt liegt und heute genau so aussähe, wie St. Michael in Haslach: Bildergestürmt, verschandelt und ohne Kommunionbänke.

Aber: Eine Kirche sollte nicht vor den Menschen sterben. Meine schon gar nicht.