Mit der Bestie auf DU
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Christkinds little helper

So muss ein Stuttgarter Tatort sein:  Voller Spannung, Aktion, WitzWider erwarten ist Frau Bootz von ihrem Leiden genesen. Allerdings nur, um ihrem Mann die Trennung von ihm um die Ohren zu hauen.

„Hör auf zu grübeln. Ich weiß, was Du Dich fragst“, so Kollege Lannert väterlich tröstend, „Du fragst Dich, wie es passieren konnte, das Julia sich verliebt hat, direkt neben Dir und Du nichts gemerkt hast. Du teilst das Bad, das Essen und die Kinder. Und Du fragst Dich, warum Du nichts gemerkt hast.“

„Warum habe ich nichts gemerkt?“

„Gute Frage. Ich weiß es nicht. Der Alltag? Man ist sich seiner Sache zu sicher. Man überprüft nicht mehr, läuft ja alles, obwohl gar nichts läuft, und Du weißt Du hättest es merken müssen, wenn Du bei der Sache gewesen wärst, aber Du warst nicht bei der Sache.“

Ehe Verständnis im Ersten. Keine Kontrolle, zu sicher des anderen sein; das sind die Zutaten, aus denen die Ehe und die Scheidung bestehen. Dieser grottenschlechte Dialog ist der einzige Fehltritt in diesem Stuttgarter Tatort, der ansonsten ein Feuerwerk an Spannung und Aktion liefert.

Till Schweiger hat als Kommissar Till Schweiger im Hamburger Tatort bewiesen, das Aktion und fliegende Fäuste Krimizutaten sind, die dem Tatort seit Schimanski fehlten. Bootz zieht nach und zwar mit Bravour.

Die Handlung ist vom Polizistenmord in Tateinheit mit einer Gefangenenbefreiung in den ersten Minuten bis zum Showdown durchgängig spannend und souverän erzählt.

Zahn, Exsöldner und IT Spezialist plant einen Coup, den zu verhindern Lannert und Bootz einen Deal mit Viktor de Man eingehen. De Man, eiskalter Gentlemanverbrecher mit echten Theoqualitäten, bringt sich als Informationslieferant ins Spiel und führt das Ermittlertrio Bootz, Lannert und Frau Staatsanwältin gekonnt an der Nase herum – zeitweise durchaus auch die Zuschauer.

Der Tatort lebt durch de Mans perfektem Spiel aus Gerissenheit und seiner Verbundenheit mit Lannert. Es war ein kluger Schachzug der Tatortmacher auf de Man zu setzen (der dritte Stuttgarter Tatort erzählte die Geschichte de Mans, der in Hamburg von Lannert als verdecktem Ermittler jahrelang beschattet wurde).

Diese Vertrautheit mit de Man führt dazu, dass Lannert den entscheidenden Fehler macht und der rührseligen Geschichte de Mans – er habe eine bisher unbekannte Tochter, die er gerne besuchen möchte – glaubt und de Man eine halbe Stunde „Freigang“ gewährt. Ein folgenschwerer Fehler, denn de Man verschwindet.

Die Zeit drängt, denn in den nächsten Stunden wird das „große Ding“ der Verbrecher über die Bühne gehen.

Lannert und ganz besonders Bootz laufen zur Höchstform auf. Falsche, von de Man gelegte, Spuren werden aufgedeckt, das wahre Zielobjekt, nagelneue 200 € Druckplatten, der Verbrecher wird ausfindig gemacht und Bootz kann sich endlich für den eingangs geschilderten Dialog an Lannert rächen: „Jetzt weiß ich, was Du Dich fragst. Du fragst Dich ob Du nicht wacher hättest sein müssen. Ob Du nicht hättest merken müssen, dass de Man Dich nur linkt, dass er Dich nur ausnutzt. Und Du fragst Dich, wie Du Dich so in ihn hast täuschen können. Ich denke, Dein Fehler war, dass Du ihm vertraut hast.“

Dieser Stuttgarter Tatort hatte alles: Spannung, Aktion, Witz. Weiter so.

Natürlich möchte ich nicht den letzten Satz aus Bootz Retourkutsche unterschlagen: „Aber weißt Du, einen Partner, der seinen Vater nicht zu seiner Tochter lässt, den möchte ich nicht an meiner Seite haben.“ Es menschelt so schön in Stuttgart. Ach ja: Wenn Bootz mal endlich zum Frisör geht und seine Haare schneiden lässt, dann klappt es vermutlich auch mit Julia wieder.