Mit der Bestie auf DU
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Selbst schuld

In der Bildzeitung äußerte sich Rainer Kardinal Woelki zu dem Schmierenstück „Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn“ wie folgt: „Ich verurteile es, dass das, was Menschen aus ihrem Glauben heraus wichtig und heilig ist, in dieser Weise durch den Dreck gezogen wird. Das ist unanständig. Es gibt keinen Grund, sich etwas anzusehen, was nur der Provokation dient.“

Intendant und Regisseur wiesen diese Verurteilung mit dem Hinweis „es werde die Kirche gar nicht kritisiert“ vehement zurück. Der Regisseur hält sogar die Argumente für armselig und hysterisch.

Ganz offensichtlich fehlen dem Intendanten und dem Regisseur die geistigen Voraussetzungen, auch nur ansatzweise den Worten Kardinal Woelkis folgen zu können. Das dieses Stück Menschen verletzt, sie herabsetzt, kommt ihnen nicht in den Sinn.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit würden beide auch kein Stück aufführen, in dem Homosexuellen ihre krankhafte Neigung nachgewiesen wird. Alle Welt weiß ja, dass die nicht krank sind und wer das Gegenteil behauptet, der ist krank.

Bei solcher Prämisse stellt sich die Frage, wen oder was wollen die „Macher“ provozieren? Klar, Katholiken (bei mir funktioniert es auch). Bei denen kann man so richtig die Sau rauslassen und braucht doch nicht um Leib und Leben bangen, wie es bei einer Verunglimpfung von Mohammedanern der Fall wäre. Die sozial liberale Koalition hat 1969 mit Bedacht den „Gotteslästerungsparagrafen“ entschärft, Katholiken schmeißen keine Handgranaten.

Bleibt die Frage, warum so ein Stück in dieser Art aufgeführt wird. Die Antwort ist recht simpel. Der geistige Nährwert dieses Allerweltsstücks ist so gering, da kann es nur mit vermeintlichen Tabubrüchen Leute in die Vorstellung locken. Das im Januar aufgeführte Skandalstück „Gólgota Picnic“ ist sogar von wohlmeinenden Kritikern verrissen worden.

Was bleibt? Ein Stück für geistige Analphabeten, ein vermeintlicher Tabubruch, ein paar Theaterbesucher, die eigentlich nur hinterher gut essen wollten.

Prälat Imkamp hat in einem Interview der Mittelschwäbischen Nachrichten (2. März 2012) auf die Frage: „Brauchen wir in unserem Leben immer wieder Tabubruch?“ geantwortet: „In der Kunst geht es immer wieder darum, etwas Neues zu schaffen. Das ist natürlich sehr schwer, Tabubruch war nämlich immer angesagt, denken Sie nur an Canaletto, aber nach ein paar Jahrhunderten Tabubruch ist eigentlich alles schon einmal irgendwie da gewesen. Tabubruch interessiert eigentlich nur noch neureiche Kulturspießer, auf Tabubruch können wir mangels Tabus verzichten, eigentlich sehe ich kaum noch Tabus, der Tabubruch ist nämlich zu „everyday urban realitiy“ geworden, mit dem neureiche Spießer sich und anderen ein kulturelles Image vorspielen wollen.“